Was versteht man unter Animal Hoarding?

Animal Hoarding  bezeichnet das Sammeln bzw. Horten von lebenden Tieren.
Aber nicht jeder, der eine große Anzahl Tiere hält, ist automatisch ein Animal Hoarder.
Zwei Kriterien sind ausschlaggebend um von Animal Hoarding zu sprechen: zum einen leben zu viele Tiere auf zu kleinem Raum und werden nicht angemessen versorgt und zum anderen ist der Tierhalter nicht fähig die Lage richtig einzuschätzen und zu erkennen, daß die Tiere unterversorgt sind. Typisch ist, daß Lösungsangebote nicht angenommen werden und die Lage oft durch neue Tiere und/oder unkontrollierte Vermehrung laufend schlimmer wird.
Animal Hoarder halten sich für Tierschützer und sind eigentlich pathologische Tierquäler, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Der Begriff Animal Hoarding bezeichnet ein komplexes psychisches Krankheitsbild bei dem Menschen Tiere in großer Anzahl halten bzw. horten, ohne sie angemessen zu versorgen, wobei diese Halter nicht oder nur eingeschränkt in der Lage sind zu erkennen, daß es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht.
Was oft einseitig als reiner Tierschutzfall betrachtet wird, ist vielmehr das Symptom einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung des Tierhalters, deren Heilung professioneller Hilfe bedarf.

Wie äußert sich Animal Hoarding?

Das Elend der Tiere, die bei einem Tiersammler ihr Dasein fristen ist unbeschreiblich groß. Die Wohnungen vieler Animal Hoarder sind mit Exkrementen und Müll übersät. In diesem Umfeld lebt der Tiersammler mit einer großen Anzahl an verwahrlosten, kranken und teilweise sogar toten Tieren.

Ein beginnender Fall von Animal Hoarding liegt vor, wenn

  • überdurchschnittlich viele Tiere gehalten werden (mehr als 2-3 Hunde, 4-5 Katzen, 4-5 Nager und Ziervögel oder 2-3 Exoten)
  • diese Tiere auf unüblich kleinem Raum zusammenleben (siehe Mindestplatzanforderungen laut Tierschutzgesetz)
  • der Tierhalter seine Tierhaltung trotzdem für gut hält

Ein fortgeschrittener Fall von Animal Hoarding äußert sich darin, daß

  • ein bedenklicher hygienischer Zustand von Wohnung oder Grundstück vorliegt (Fäkalien auf dem Boden, deutlich verschmutzte Käfige oder Zwinger, etc.)
  • die Tiere offensichtlich unter- oder fehlernährt sind
  • offensichtlich kranke Tiere nicht nachweislich veterinärmedizinisch versorgt werden
  • sich Tiere in offensichtlich schlechtem Pflegezustand befinden (verkotetes und/oder verfilztes Fell, Ungezieferbefall, fehlende Huf- und Klauenpflege, etc.)
  • unkastrierte Tiere beiderlei Geschlechtes zusammen gehalten werden und sich unkontrolliert vermehren
  • der Tierhalter die Gesamtzahl der Tiere versteckt bzw. herunterspielt, Außenstehenden den Zutritt zu den Tieren verweigert und keine Tiere weitergeben will
  • der Tierhalter uneinsichtig auf Kritik reagiert und Hilfe kategorisch ablehnt.

Welche Typen von Animal Hoardern gibt es?

1997 wurde in den USA eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Erforschung des Animal Hoardings gegründet (Hoarding of Animal Research Consortium – HARC).
Basierend auf den Forschungsergebnissen dieser Einrichtung wurden vier Grundtypen an Animal Hoardern etabliert.

  • Der Pfleger-Typ

Er schottet sich stark nach außen ab und lebt isoliert. Oft verlieren diese Menschen die Kontrolle über ihr eigenes Leben und verwahrlosen in Folge mit ihren Tieren immer mehr. Durch fehlende Geschlechtertrennung bzw. Kastration vermehren sich die Tiere ständig und die Anzahl der gehaltenen Tiere steigt dadurch passiv kontinuierlich an.

  • Der Retter-Typ

Er ist davon überzeugt ein großer Tierschützer zu sein und sieht seine Mission darin Tiere aufzunehmen und zu retten. Durch ständige Neuaufnahmen wächst der Tierbestand aktiv an. In Folge leben irgendwann zu viele  Tiere auf zu engem Raum und können nicht mehr adäquat gepflegt und veterinärmedizinisch versorgt werden. Meist wird die Euthanasie von Tieren abgelehnt. Selbst schwerkranke Tiere werden nicht von ihren Leid erlöst.  Stattdessen wird versucht sie doch noch zu retten. Dieser Hoarder-Typ lebt meist nicht isoliert, sondern steht oft mitten in der Gesellschaft.

  • Der Züchter-Typ

Er beginnt seine Tiersammlung mit der Zucht von Tieren zu kommerziellen und/oder Ausstellungszwecken. Im Laufe der Zeit läuft die Zucht aus dem Ruder, weil mehr Tiere geboren als abgegeben werden.  Auch dieser Hoarder-Typ lebt meist nicht isoliert, sondern engagiert sich im Gegenteil tatkräftig in Zuchtvereinen und Ähnlichem.

  • Der Ausbeuter-Typ

Er hält Tiere ausschließlich aus eigennützigen Zwecken. Dieser Typ kennt keine Schuldgefühle, ist extrem narzisstisch und selbstbewußt und dabei meist so eloquent ,daß er selbst Behörden lange etwas vorgaukelt. Der Ausbeuter-Typ sammelt Tiere vorwiegend aktiv durch ständige Neuzugänge.

Zusätzlich zu diesen vier Grundtypen gibt es die verschiedensten Mischtypen.

Statistische Daten über Animal Hoarder

  • 76% der Animal Hoarder sind weiblich
  • 46% sind über 60 Jahre alt.
  • Über 50% leben alleine und die meisten sind unverheiratet
  • In 69% der Fälle finden sich Fäkalien in den Wohnräumen und in über 25% der Fälle sogar im Bett des Animal Hoarders.
  • In 80% der Fälle finden sich im Tierbestand tote oder schwerkranke Tiere.
  • In 60% der Fälle halten Animal Hoarder ihre Tierhaltung für völlig in Ordnung.
  • Die am häufigsten betroffenen Tierarten sind Katzen und Hunde.

Wie kann man gegen Animal Hoarding vorgehen?

Der Umgang mit Fällen von Animal Hoarding ist meist sehr schwierig, da der betroffene Tierhalter sich per se uneinsichtig und unkooperativ Helfern gegenüber verhält.
Viele Tiersammler schotten sich umso mehr nach außen hin ab je näher ihnen potentielle Helfer kommen – Zäune werden höher gemacht, Tiere an uneinsichtige Stellen oder sogar auf andere Grundstücke verlegt und Eingriffe von Seiten des Tierschutzes oder eingeschalteter Behörden soweit wie möglich torpediert.
Oft vergehen mehrere Monate bis Tierabnahmen endlich durchgeführt werden können. Bis dahin ist die Situation meist so schlimm, daß tote und schwer kranke Tiere vorhanden sind.
Doch Animal Hoarding ist eine psychische Erkrankung, die durch die Abnahme der Tiere an sich nicht zu heilen ist. Oft beginnen die Betroffenen schon kurze Zeit nach einer Tierabnahme wieder von neuem Tiere zu sammeln. 
Animal Hoarding ist nur ein Symptom einer zugrundeliegenden psychischen Erkrankung - gleichsam der aus dem Wasser ragenden Spitze eines Eisberges.
Zur Heilung der psychischen Grunderkrankung bedarf es professioneller Hilfe.


Wenn Sie einen Fall von Animal Hoarding befürchten, schauen Sie nicht weg! Vielleicht können gerade Sie unbeschreibliches Leid für Tier und Mensch verhindern.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das zuständige Veterinäramt, einen Tierschutzverein in der Nähe oder an


 info@purzelundvicky.at



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Animal Hoarding (deutscher Artikel)

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23.4.2003 - Die Tragödie von Pommersdorf/Niederösterreich

21.12.2007 - Animal Hoarding: Tierquälerei auf engstem Raum

22.6.2009: Qualvolle Tierliebe - Leben mit 70 Katzen

24.7.2009: Animal Hoarding - Wenn Tierliebe zu weit geht

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25.7.2009 - Mehr als 150 Hunde eingefroren

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12.11.2009: Krankhafte Tiersammler

11.3.2010: Krankhaftes Animal Hoarding - ein zunehmendes Problem für Behörden und Tierheime

12.3.2010: Krankhaftes Animal Hoarding

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21.8.2009 - Tierische Wohngemeinschaften

15.4.2010 - Jahrelang Tiere gesammelt

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9.2.2011 - Messie lebte mit 113 Tiere in der Wohnung

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20.1.2012 - Grausamer Fall von Animal Hoarding im Burgenland

19.8.2012 - Kärnten: Animal Hoarding nimmt zu

6.10.2012 - Animal Hoarding - Das tierische Messie-Syndrom

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26.2.2014 - 46 Hunde im Haus

9.9.2020 - https://www.krone.at/2225251